Tarragona
... und die römische Route
Tarragona gilt als grösste “römische” Stadt der antiken Welt abgesehen von Rom. Kaiser Augustus hatte hier seine Sommerresidenz erbaut und machte damit Tarragona zur Mode.
Fahren Sie auf der A-7 (jawohl endlich wieder), die teilweise die alte VIA AUGUSTA pflastert. Als erstes sehen Sie den ARCO DE BARÁ.
Der Ehrenbogen wölbt sich über die Via Augusta, die mit etwa 1.500 km längste Römerstraße in Hispania. Er besteht aus Kalkstein, möglicherweise aus einem Steinbruch in der Nähe, und ist mit falschen Pilastern geschmückt, die durch korinthische Kapitelle abgeschlossen werden. Er hat nur eine (mittige) Öffnung. Der Aufbau besteht aus einem Architrav mit Fries. Original ist von diesen allerdings nur der Architrav. Die im 19. Jahrhundert ersetzten Teile des Oberbaus heben sich heute durch eine wesentlich hellere Farbe ab.
Der Bau des Monuments erfolgte wahrscheinlich während der Herrschaft des Kaisers Augustus um das Jahr 13 v. Chr. Es wird angenommen, dass der Ehrenbogen dem Augustus oder dessen persönlichen Schutzgott gewidmet war und dass er dazu diente, die Grenzen der von Tarraco abhängigen Territorien zu kennzeichnen. Die Inschrift wurde anscheinend später eingesetzt. Der Text lautet „Ex testamento L(uci) Licini L(uci) f(ilii) Serg(ia tribu) Surae consa[...]“. Aufgrund dieser Inschrift wurde zunächst im Zusammenhang mit dem Politiker Lucius Licinius Sura, der aus der Provinz Tarraconensis stammte, eine Datierung in das frühe 2. Jahrhundert in Erwägung gezogen. Untersuchungen an den erhaltenen Originalkapitellen haben aber eine Datierung in das letzte Viertel des 1. Jahrhunderts v. Chr. ergeben, was zu dem Straßenbau in augusteischer Zeit passt.
Fahren Sie durch ALTAFULLA. Dort befinden sich Reste einer römischen Villa
LA GRAN VILLA ROMANA DELS MUNTS
Das Mosaik, das dort gefunden wurde, ist eines der schönsten der römischen Welt und befindet sich im Museo Romano in Tarragona. Um deutlich zu werden: Man sieht von dieser Villa mehr im Museum von Tarragona als im Original.
Weiter gehts, und Sie gelangen an eine Einfahrt zur
CANTERA ROMANA DEL MÉDOL
Dies ist der Steinbruch, aus dem über 50.000 m3 Steinquader zum Bau des antiken Tarraco gehauen wurden. In der Mitte befindet sich noch eine 16 m hohe Steinsäule, die den Anfang der Steinaushebung markiert.
Nach wenigen km erhebt sich auf der rechten Seite
LA TORRE DE LOS ESCIPIONES
Er ist nach den SCIPIONEN benannt, hat aber nichts mit Ihnen zu tun. Es ist ein Grabmal für jemanden Unbekanntes, der wohl auf dem Steinrelief abgebildet ist.
Und endlich erreicht man Tarragona. Wenn man Richtung Zentrum fährt, sieht man im Verteilerkreis links das Hotel HUSA IMPERIAL TARRACO. Ab da gehts los. Man kann, wenn man links bei der römischen Festung hochfährt, gut parken. Von dort sieht man das Amphitheater. Die Stadtmauern grenzen das alte Zentrum von TARRACO ein. Das Rathaus mit seinem Vorplatz ist auf dem alten CIRCO ROMANO gebaut. In der ganzen Altstadt sieht man noch Reste der römischen Kultur.
Ein Muss: das Museo Nacional Archeológico, welches sich unverkennbar am Eingang der Altstadt befindet.
Einiges zur Geschichte:
218 v. Chr. eroberten die Römer die iberische Stadt und machten sie unter dem Namen Tarraco zur Hauptstadt der Provinz Hispania citerior, später Tarraconensis. 27 v. Chr. errichteten sie einen Tempel zu Ehren des Augustus und Jupiters.
In Tarragona gibt es viele römische Monumente: das Amphitheater, den Circus, das Forum Romanum, das Grabmonument Torre dels Escipions, den Triumphbogen Arc de Berà, das Mausoleum von Centcelles und die Aquäduktbrücke Aqüeducte de les Ferreres (auch Pont del Diable genannt). Im Jahre 2000 wurde das archäologisches Ensemble von Tarraco zum UNESCO-Welterbe erklärt. Bei aktuellen Bauarbeiten werden immer wieder Reste alter römischer Bauten entdeckt. Auf Bitten der Archäologen werden daraufhin die Bauarbeiten oft zum Verdruss der Bauherren unterbrochen.
Der Passeig Arqueològic, der sich entlang der Stadtmauer hinzieht, die den römischen Geschichtsschreibern Livius und Plinius zufolge auf die Scipionen im 3. Jahrhundert v. Chr. zurückgeht, anderen Ansichten nach wegen der zyklopischen Steinblöcke von mehreren Tonnen, die ohne Fugen zusammengefügt wurden, älter sein dürfte. Im Museo Arqueológico werden römische Exponate ausgestellt, zu der auch sehenswerte Mosaike, insbesondere ein Medusenhaupt gehört. Neben dem Museum befindet sich das römische Prätorium aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., das hier eine quadratische Form hatte und im Mittelalter heftigen Veränderungen unterworfen war. Das Amphitheater liegt unmittelbar an der Küste und war Schauplatz des Märtyrertods des Bischofs Fructuosus und der Diakone Augurius und Eulogius während der valerianischen Christenverfolgung. In der Spätantike war Tarragona bedeutender Bischofssitz.
Raimund Berengar I. hatte seinen Machtbereich schon bis vor die Tore der Stadt ausgedehnt. 1118 eroberte Raimund Berengar III. die Stadt und baute es als Hauptsitz der Kirche in Katalonien wieder auf (zuvor waren die Katalanen kirchlich abhängig vom Erzbistum von Narbonne).
Während der der Napoleonischen Kriege auf der Iberischen Halbinsel wurde Tarragona vom 3. Mai bis zum 28. Juni 1811 belagert und schließlich erstürmt (Belagerung von Tarragona).